Gute Technik – falscher Kontext
Viele Tennis-Umsteiger sind technisch sauber ausgebildet. Saubere Ausholbewegungen, stabile Treffpunkte, kontrollierter Spin. Und trotzdem fühlt sich das Spiel im Padel oft instabil an. Bälle landen im Netz, fliegen zu lang oder kommen zu schnell zurück.
Das Problem ist selten die Technik an sich – sondern der Kontext, in dem sie eingesetzt wird.
Padel ist kein Tennis mit Wänden. Es ist ein eigener Sport mit eigener Bewegungslogik, eigenen Entscheidungsfenstern und anderen biomechanischen Anforderungen.
Als Sportwissenschaftler und Tennis-Umsteiger haben wir genau hier die größten Anpassungshürden erlebt. Dieser Artikel zeigt, welche Tennis-Techniken im Padel an ihre Grenzen stoßen – und wie sie sinnvoll angepasst werden.
1. Ausholbewegung: Kürzer ist kontrollierter
Im Tennis ist eine lange, fließende Ausholbewegung essenziell für Tempo und Spin. Im Padel wird genau das schnell zum Problem.
Die Spielfläche ist kleiner, die Reaktionszeit kürzer, die Ballwechsel dichter. Lange Ausholbewegungen:
kosten Zeit
öffnen den Körper
erschweren schnelle Richtungswechsel
Im Padel sind kompakte, verkürzte Schwünge effizienter. Die Schlagbewegung beginnt später, endet früher und bleibt näher am Körper.
Sportwissenschaftlich:
Kürzere Bewegungsamplituden erhöhen die Reaktionsfähigkeit und reduzieren Fehler unter Zeitdruck.
2. Treffpunkt: Weniger vor dem Körper, mehr Kontrolle
Tennis-Technik fördert einen weit vor dem Körper liegenden Treffpunkt. Das funktioniert auf dem großen Court mit viel Raum hervorragend.
Im Padel ist der Treffpunkt oft:
seitlicher
näher am Körper
situationsabhängig (Wand, Netz, Lob)
Ein zu früher Treffpunkt erzeugt im Padel häufig:
zu flache Flugbahnen
Kontrollverlust bei Volleys
ungewollte Eigenbeschleunigung
Padel-Technik verlangt variablen Treffpunkt statt Standardlösung.
3. Spin-Einsatz: Topspin verliert an Bedeutung
Topspin ist im Tennis ein zentrales Steuerungsinstrument. Im Padel verliert er deutlich an Dominanz.
Warum?
geringere Distanzen
flachere Flugkurven
Glaswände neutralisieren Spin
Im Padel wird Slice deutlich relevanter:
besser kontrollierbar
effektiver im Netzspiel
stabiler nach Wandkontakt
Tennis-Umsteiger müssen lernen, Spin situativ einzusetzen – nicht automatisch.
4. Volleys: Blocken statt Durchziehen
Im Tennis werden Volleys oft aktiv durchgezogen. Im Padel führt das häufig zu Streuverlusten.
Padel-Volleys sind:
kürzer
ruhiger
blockorientiert
Ziel ist nicht der Winner, sondern:
Platzierung
Tempo-Kontrolle
Vorbereitung des nächsten Balls
Wer Volleys „tötet“, statt sie zu kontrollieren, verliert im Padel meist die Struktur im Punkt.
5. Überkopfspiel: Smash ist nicht gleich Smash
Der Smash ist für Tennis-Spieler emotional attraktiv – im Padel aber hochgradig kontextabhängig.
Typische Umsteiger-Fehler:
Smash aus schlechter Position
zu viel Kraft, zu wenig Winkel
fehlende Absicherung
Im Padel ist der Smash nur eine von mehreren Optionen:
Bandeja
Vibora
kontrollierter Topspin-Smash
Technik ohne taktischen Kontext führt hier fast immer zum Punktverlust.
6. Beinarbeit: Weniger linear, mehr lateral
Tennis-Beinarbeit ist stark auf Vorwärtsbewegung und Grundlinienarbeit ausgelegt.
Padel verlangt:
seitliche Schritte
häufige Rückwärtsbewegungen
permanente Anpassung an den Partner
Besonders das Spiel nach der Glaswand erfordert antizipative Beinarbeit, nicht reaktive.
7. Technik ohne Kommunikation funktioniert nicht
Ein fundamentaler Unterschied: Technik im Padel ist nie isoliert. Jeder Schlag ist Teil eines Doppel-Systems.
Tennis-Technik denkt individuell.
Padel-Technik denkt im Raum.
Ohne klare Abstimmung entstehen:
offene Zonen
doppelte Absicherung
taktische Lücken
Fazit: Technik anpassen, nicht ersetzen
Tennis-Technik ist keine schlechte Basis – sie ist nur unvollständig für Padel. Wer bereit ist, Bewegungen zu verkürzen, Tempo zu reduzieren und Entscheidungen stärker zu gewichten, entwickelt sich im Padel oft sehr schnell.
Nicht die beste Technik gewinnt – sondern die passendste.
Weitere Tipps für Tennis-Umsteiger
Die Tennis-Umsteiger-Serie bündelt alles, was Tennis-Fans für den Erfolg auf dem Padel-Court wissen müssen. Jeder Artikel beleuchtet einen zentralen Aspekt des Wechsels – analytisch, praxisnah und ohne Marketing-Filter.
Alle Artikel der Serie im Überblick:
Padel wächst rasant – in Spanien längst Volkssport, jetzt auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Ob du zum ersten Mal den Schläger hältst oder dein Spiel aufs nächste Level bringen willst: Padel Inside begleitet dich dabei mit Know-how, Tests und Emotion – von der ersten Rallye bis zum perfekten Smash.
Padel ist die perfekte Mischung aus Tennis und Squash – dynamisch, taktisch, leicht zugänglich. Gespielt wird im Doppel auf einem 20×10-Meter-Court, umgeben von Glaswänden, die Teil des Spiels sind. Padel ist einfach zu lernen und schnell zu lieben: Es geht nicht um rohe Kraft – es geht um Präzision, Kommunikation und Spielintelligenz. Diese einzigartige Mischung macht den Sport so faszinierend – jeder Punkt ein kleines Drama, jedes Match ein Erlebnis.
Das Rahmenmaterial eines Padel-Schlägers bestimmt seine Steifigkeit, Haltbarkeit und Spielbarkeit. Besonders für Einsteiger ist es wichtig, ein Material zu wählen, das langlebig und gleichzeitig fehlerverzeihend ist. Für Neu-Padel-Spieler ist ein Fiberglas-Rahmen ideal, da er mehr Kontrolle, Komfort und Fehlertoleranz bietet. Wer bereits Erfahrung hat und mehr Power & Präzision möchte, kann zu einem Carbon-Rahmen wechseln. Hybrid-Modelle bieten eine gute Mischung aus beiden Materialien.
Schläger mit einem weichen EVA- oder FOAM-Kern absorbieren den Aufprall des Balls besser, was zu einer längeren Ballkontaktzeit führt. Dadurch können Spieler den Ball besser kontrollieren und gezielter platzieren. Darüber hinaus sorgt ein weicher Kern für eine höhere Ballbeschleunigung, ohne dass der Spieler übermäßig Kraft aufwenden muss. Da weiche Schläger Vibrationen besser dämpfen, werden Handgelenk, Ellbogen und Schulter weniger belastet.
Leichte Padel-Schläger wiegen zwischen 330 und 360 Gramm und sind dadurch deutlich weniger anstrengend zu schwingen. Dies erleichtert es Anfängern, den Schläger zu kontrollieren, schnell auf Bälle zu reagieren und ihre Technik zu verbessern. Ein geringeres Gewicht reduziert die Belastung auf das Handgelenk, den Ellbogen und die Schulter. Gerade Anfänger, die noch nicht an die wiederholten Bewegungen des Padelspiels gewöhnt sind, profitieren von einer geringeren Verletzungsgefahr und weniger Ermüdung. Leichte Schläger helfen dabei, die Platzierung und Präzision der Schläge zu verbessern. Da sie weniger kraftintensiv sind, können Spieler den Ball besser steuern und gezielte Schläge spielen, ohne die Kontrolle zu verlieren. Auch im schnellen Volley-Spiel und bei Reflexschlägen am Netz ist ein leichter Schläger von Vorteil.
Runde Padel-Schläger haben ihren Sweet Spot – die optimale Trefferzone – genau in der Mitte des Schlägerkopfes. Dieser Bereich ist größer als bei tropfenförmigen oder diamantförmigen Schlägern, was bedeutet, dass auch nicht perfekt getroffene Bälle noch eine gute Kontrolle und Konstanz haben. Durch die gleichmäßige Balance nahe am Griff sind runde Schläger leichter zu manövrieren. Einsteiger profitieren davon, weil sie weniger Kraft und Technik benötigen, um den Schläger zu stabilisieren und präzise zu schlagen. Runde Schläger haben eine ausgewogene Kombination aus Kontrolle und Power, wobei der Fokus stärker auf der Kontrolle liegt. Für Anfänger ist dies ideal, da sie zunächst die Platzierung und Genauigkeit ihrer Schläge verbessern müssen, bevor sie sich auf kraftvolle Schmetterschläge konzentrieren. Ein runder Schläger verzeiht Fehltreffer besser als andere Formen. Besonders Anfänger, die noch an ihrer Technik arbeiten, profitieren davon, weil sie weniger unerwartete Flugbahnen oder unkontrollierte Bälle produzieren. Da runde Schläger oft leichter und weniger kopflastig sind, sind sie angenehmer zu spielen und belasten das Handgelenk weniger. Dies hilft Neulingen, schneller Fortschritte zu machen und Verletzungen zu vermeiden.
Ja. Diese Modelle sind meist:
- Leichter
- Etwas kleiner
- Mit weicherem Kern
Sie bieten ein angenehmeres Handling und verringern das Verletzungsrisiko.
Der Sweet Spot ist der Bereich auf dem Schläger, wo du den Ball mit maximaler Effizienz triffst. Ein großer Sweet Spot bedeutet: mehr Kontrolle und weniger Fehler – ideal für Anfänger. Fortgeschrittene Spieler setzen bewusst auf kleinere Sweet Spots für präzisere Schläge.
Bei regelmäßigem Spiel (2–3× pro Woche) sollte ein Schläger etwa alle 1–2 Jahre gewechselt werden – abhängig von Materialermüdung, Schäden und technologischem Fortschritt.
Für Einsteiger sind rund geformte Schläger mit mittlerem bis geringem Gewicht (ca. 340–360 g) ideal. Sie bieten einen großen Sweet Spot, sind fehlerverzeihend und leicht zu manövrieren. Achte auf ein weiches Material wie Glasfaser oder FOAM-Kern für ein komfortables Spielgefühl.
Rund: Viel Kontrolle, großer Sweet Spot → ideal für Anfänger
Tropfen (Hybrid): Ausgewogene Balance zwischen Power und Kontrolle → Allrounder
Diamant: Maximale Schlagkraft, kleiner Sweet Spot → für Fortgeschrittene/Profis
Leichtere Schläger (340–360 g): Besseres Handling, weniger Belastung für Arm/Schulter
Schwerere Schläger (370+ g): Mehr Power, aber anstrengender in langen Matches
Tipp: Für Frauen, Jugendliche oder verletzungsanfällige Spieler sind leichtere Schläger empfehlenswert.
Die Balance gibt an, wo der Schwerpunkt liegt:
Grifflastig: Mehr Kontrolle
Kopflastig: Mehr Power
Ausgewogen: Guter Kompromiss für Allroundspieler
Rahmen: Hochwertige Schläger bestehen aus Carbon (leicht, steif, präzise) oder Glasfaser (weicher, günstiger, fehlerverzeihend)
EVA-Kern: langlebig, fester, präzise
FOAM-Kern: weicher, mehr Power, angenehmes Spielgefühl
Nicht unbedingt. Teure Schläger bieten oft fortgeschrittene Materialien oder Technologien (z. B. Vibrationsdämpfung), sind aber nicht automatisch besser für deinen Spielstil. Wichtig ist die Passform zu deinem Level, Spielstil und Komfortanspruch.